Wiesngeschichten

Frauenpower auf dem Oktoberfest


Eine der spektakulärsten und mutigsten Aktionen, die das Münchner Oktoberfest im 19. Jahrhundert zu sehen bekam, wurde nicht etwa von einem Mann, sondern von einer Frau begangen. Dieses der Gefahr ins Gesicht lachende Frauenzimmer war die in Braunschweig geborene und in Döhlen bei Dresden lebende Wilhelmine Reichard.

Wilhelmine Reichard hatte eine für die damalige Zeit äußerst ungewöhnliche Leidenschaft, die sie sich mit ihrem Mann teilte: die Ballonfahrerei. 1820 wurde sie für das 10jährige Jubiläum des Oktoberfests engagiert, um mit einem Heißluftballon über München zu fliegen. Davor hatte sie bereits 16 Fahrten begangen, wobei sie bei ihrer dritten Fahrt so hoch stieg (angeblich bis auf 7800 Meter), dass sie das Bewusstsein verlor. Der führerlose Ballon platzte daraufhin und stürzte ab, was sie jedoch wie ein Wunder nur leicht verletzt überlebte, da der Sturz des Ballons am Boden durch Fichten abgebremst wurde. Ihre vierte Fahrt ließ aufgrund dieses Erlebnisses fünf Jahre auf sich warten.

Als „Ausländerin“ wurde die Pionieren der Luftfahrt in München erst kritisch beäugt, jedoch wusste sie die Herzen der Bayern für sich zu gewinnen, indem sie in bayerischer Tracht in den Ballon stieg und aus der Luft Flugblätter abwarf, auf welchen die Königsfamilie und das bayerische Volk in höchsten Tönen gelobt wurden.

Die Fahrt über München 1820 war der Schlussstein ihrer Karriere als Ballonfahrerin, danach stand für sie ihre Familie im Vordergrund, die letztendlich acht Kinder beinhaltete.

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