
Die Basis der bayerischen Biergartenschmankerln des Hippodroms ist, wie soll es auch anders sein, selbstverständlich die bayerische Brezn. Es gibt wohl kaum eine andere Backware, um die sich so viele Geschichten, Sagen und Legenden ranken. Der Name der Brezn, die außerhalb Bayerns meist „Brezel“ genannt wird, entstammt dem lateinischen Wort „bracellus“, welches sich von „brachium“, dem lateinischen Wort für „Arm“ ableitet. Dies erklärt sich daraus, dass die Form der Brezn den über der Brust verschränkten Armen eines betenden Mönchs nachempfunden sein soll. Diese Art der Arm- bzw. Handhaltung war in früheren Jahrhunderten bei Gebeten üblich. Seit dem 14. Jahrhundert wird die Brezn als Zunftzeichen der Bäcker verwendet; angeblich auch deswegen, weil sie aufgrund der Herkunft ihrer Form auch als heiliges Gebäck betrachtet wurde.
Je nach Region gibt es allerdings noch andere Versionen darüber, wie die Brezn zu ihrer einzigartigen Form kam. Überregional bekannt ist die Sage vom Bäcker von Urach, der durch seine loses Mundwerk beim Grafen Eberhard im Bart, dem späteren Herzog von Württemberg und Teck, in Ungnade gefallen war und mit dem Tode bedroht wurde. Eberhard verlangte vom Uracher Bäcker als Wiedergutmachung einen Kuchen oder ein Brot herzustellen, durch welches dreimal die Sonne schiene. Misslänge im dies, so wäre er des Todes. Dem Bäcker wurden drei Tage dafür eingeräumt, doch erst am letzten kam er auf die Idee der verschlungen Form, als er seine bei ihm ausharrende Frau betrachtete, die ihre Arme vor der Brust verschränkt hatte. Dass die Brezn vor dem Backen in Natronlauge getaucht wird, verdankt sie dieser Sage nach einer Katze, die das Blech mit den backfertig geformten Brezn vom Tisch in einen Kübel Natronlauge bugsierte, welchen des Bäckers Frau zum Putzen benutzen wollte. Aus Zeitmangel kamen die Brezn dennoch in den Ofen und siehe da, sie mundeten dem Grafen gar vorzüglich. Damit war das sagenhafte Laugengebäck erfunden.